Der gute Hirte

Andacht zum Hirtensonntag von Pfarrer Thomas Pfennigsdorf, Wörlitz

Die Andacht zum Hören

Der heutige Sonntag hat den Namen Hirtensonntag, lateinisch: misericordias domini, Barmherzigkeit des Herrn. Vielleicht kennen Sie das Bild, haben es irgendwo mal gesehen, Jesus, als Hirte, trägt ein Schaf auf seiner Schulter. Es hatte sich verlaufen. 99 Schafe waren wohlbehalten in den Stall zurückgekehrt, eines fehlte. Der Hirte macht sich auf und sucht es, bis er es gefunden hat – es hatte sich im Gestrüpp verfangen, und er bringt es zurück in seinen Stall.

Was sagt dieses Bild aus? Jesus, der gute Hirte, kümmert sich um jeden Einzelnen. Er sagt nicht: Was ist schon ein Schaf, 99 habe ich zurückgebracht, 1 % Verlust, das ist doch nicht schlimm. Nein, auch diesem einen geht er nach und gibt nicht auf, bevor er es gefunden hat.

In unserer Welt ist der Einzelne austauschbar geworden – Hauptsache, er macht seinen Job. Da ist diese Sorge um den Einzelnen tröstlich. Keiner braucht sagen: Keiner interessiert sich für mich. Doch – der gute Hirte, Jesus. Er möchte nicht, dass Du verloren gehst, dann würde er Dir nachgehen, Dich suchen, bis er Dich gefunden hat.

Wem folgst Du, wem vertraust Du? Geld, Macht oder Einfluss? Oder Personen: Politikern, Ärzten, Professoren oder Lehrern? Oder dem, was in der Zeitung steht?

Es ist nicht einfach, sich heute zurechtzufinden. Wem kann man vertrauen? Wer kann mich leiten? Wer sagt die Wahrheit? Wer meint es gut mit mir? Jeder muss da für sich Antworten finden und Entscheidungen treffen und weiß manchmal erst hinterher, was richtig gewesen wäre, vor allem, wenn Vertrauen enttäuscht wurde.

Manche Führer von heute stellen sich so dar, als ob sie wüssten, wie es ging. Einige glauben ihren Antworten und folgen ihnen. Oft haben diese Führer aber nur ihre eigenen Interessen im Sinn.

Auch Jesus als guter Hirte hat seine eigenen Interessen im Sinn. Er möchte, dass Du nicht verloren gehst und dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in unserer Welt an Einfluss zunehmen.

Er möchte, dass es dem Einzelnen gut geht, dass er sich geborgen fühlt. Wir Christen sind seine Hände und Füße, die an diesem Werk beteiligt sind. Zur Zeit fällt es auch uns schwer, da mitzutun. Es gibt soviele Probleme, Hass, Neid und Gewalt auf unserer Welt. Und jetzt hat sich über alles noch die Corona-Pandemie gelegt, nicht um dies zuzudecken, sondern teilweise zu verschlimmern. Denn die Ärmsten der Armen in den Slums können gar nicht Abstand halten und sie können auch nicht auf ihre Arbeit verzichten, da sie von der Hand in den Mund leben. Sie haben dann nur die Wahl, vom Virus infiziert zu werden oder zu verhungern.

Wie kann dies alles gelöst werden? Kann der Hirte, Jesus Christus, da helfen? Wir Christen hoffen es und versuchen, ihn da tatkräftig zu unterstützen, er, der von sich sagt: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Wem folgen Sie? Lassen Sie sich einladen, mit bei ihm zusein. Sie bekommen ein großartiges Geschenk: Das ewige Leben.