Ostern fängt gerade erst an
Andacht zum Ostermontag von Tizian Steffen, Mitglied der Landessynode und Vorsitzender Gemeindekirchenrat Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien Dessau
An diesem Montag lesen wir im Evangelium nach Lukas einen der wichtigsten Texte zum Osterfest. Dort wird berichtet von zwei Männern, die zusammen ihren Weg nach Emmaus gehen. Voller Trauer haben sie Jerusalem wieder verlassen, nachdem der Mensch, von dem sie hofften, dass er ihr Volk erlösen würde, am Kreuz hingerichtet wurde. Sie scheinen alles vergessen zu haben, was Jesus ihnen in den Tagen und Wochen vor seinem Tod mitgegeben hat: dass er leiden MÜSSE und auferstehen werde. Auf dem Weg der niedergeschmetterten Jünger, die nach Emmaus gehen, tritt auf einmal Jesus in das Gespräch ein. Aber die beiden Zweifelnden – ganz in Trauer und Schmerz versunken – können ihn nicht erkennen.
Erst als sie am Abend zusammen bei Tisch sitzen und der von ihnen unerkannte Jesus das Brot bricht, werden sie gewahr, dass ihr Messias wahrhaftig auferstanden und bei ihnen ist: „Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift erschloss?“ All ihre Zweifel sind nun gewichen und Zuversicht hat sich in ihnen ausgebreitet.
Auch wir tun uns in diesen Wochen sicherlich manches Mal schwer mit dieser Zuversicht. Täglich neue beunruhigende Nachrichten lassen auch uns zweifeln. Doch diese ostermontägliche Geschichte ermutigt uns: Wir brauchen nicht hoffnungslos zu sein. Die Gefahr wird vorbeigehen, vielleicht nicht morgen oder nächste Woche. So genau kann das heute niemand sagen. Entgegen unserer modernen Gewohnheit müssen wir in Ungewissheit abwarten und der Dinge harren, die da kommen werden. Das müssen wir wieder lernen. Wir können uns inspirieren lassen von der Geschichte der Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie sagt uns: Wir dürfen uns sicher sein: Alles wird gut. Jesus ist auferstanden, er lebt und auch wir sollen leben. Eine Weile vielleicht auf sehr ungewohnte Weise, aber in der Gewissheit, dass Vertrauen und Zuversicht bei uns sind!
Wenn ich in vergangenen Jahren am Abend dieses zweiten Feiertags dem einen oder der anderen noch gesegnete Ostern wünschte, hörte ich oft Sätze wie: „Wohl eher schöne Restostern.“ oder „Naja, was davon noch übrig ist.“ Doch das ist ein Trugschluss. Jesus ist nicht nur für zwei Tage auferstanden. Ostern fängt gerade erst an – gestern, heute. Die Freude darüber, dass dem Tod die Macht genommen und wir alle erlöst sind, sie wird noch Wochen und Monate anhalten. Auch diese pandemischen Zeiten werden ihr Ende finden.
So wünsche ich uns allen, dass unsere eigene Zuversicht durch diese Zeit bei uns bleibt und wir sie immer wieder erkennen, so wie die Jünger Jesus.
Am Ende dieser Ausnahmesituation werden wir dann erneut zusammen ein Osterfest feiern. Ein Fest, an dem wir uns nicht mehr nur in Worten und Telefonaten nahe sind, sondern uns wieder gegenseitig in die Arme nehmen oder einander küssen können und an dem uns vielleicht vor lauter Lachen eine Freudenträne über die Wange rollt, die uns ein Freund abtrocknet.